Es liegt was in der Luft...

20.03.2020, 11:01

Der handtellergroße Sequenzierapparat der englischen Firma Oxford Nanopore für die Analyse von Bioaerosolen – noch im Labor, bald im Außeneinsatz. (© L. Prudnikow)

Bioaerosole sind überall auftretende, in ihrer Zusammensetzung äußerst komplexe luftgetragene Partikel biologischer Herkunft. Sie beinhalten unter anderem intakte oder zersetzte Viren, Bakterien oder Pilze sowie deren Sporen. Verbunden mit diesem biologischen Material ist ihr Erbgut. Quellen für Bioaerosole sind auch Tier und Mensch. Bakterien und Viren werden zum Beispiel durch Reden, Niesen oder Husten, aber auch in Geflügelfarmen oder Tierställen freigesetzt und können gravierende gesundheitliche Auswirkungen haben.
Die Diagnostik von Bioaerosolen, also der Nachweis der enthaltenden Erbgute, ist sehr aufwändig und bislang aus quantitativer und qualitativer Sicht unzureichend. An der Hochschule Mittweida etabliert Robert Leidenfrost im Rahmen seines Promotionsprojekts (Betreuer Prof. Dr. Wünschiers, Kooperativer Betreuer: Prof. Dr. Göttfert von der TU Dresden) eine neuartige Sequenziertechnologie, um damit die Diagnostik kostengünstig, schnell und mobil zu ermöglichen. In Kooperation mit PD Dr. Jäckel und Dr. Pöther aus der Abteilung „Biologische Arbeitsstoffe“ an der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Berlin, wendete das Mittweidaer Team diese Sequenziertechnologie erfolgreich für die Analyse von bakteriellen Erbgutgemischen an. Diese Machbarkeitsstudie zeigt, dass die von Herrn Leidenfrost entwickelte Methode zur Unterscheidung und Bestimmung der Erbgute genutzt werden kann. Sie steht nun Wissenschaftlern weltweit zur Verfügung und wird von Herrn Leidenfrost aktuell auf Bioaerosolproben angewandt.

Leidenfrost RM, Pöther D, Jäckel U, Wünschiers R, (2020) Benchmarking the MinION: Evaluating long reads for microbial profiling. Sci Rep. doi: 10.1038/s41598-020-61989-x

Das Forschungsprojekt wird vom Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus und dem Europäischen Sozialfond gefördert.