Die Speisekarte von Hummeln

25.03.2020, 09:55

L. Prudnikow

Bei Bestäubung denken die meisten an Bienen. Hummeln (engl. bumble bee) sind aufgrund ihrer Ernährungsgewohnheiten mindestens ebenso wichtige Bestäuber und spielen als solche eine bedeutende Rolle für Ökosysteme. Und der Pollen stellt eine wichtige Nahrungsquelle für Hummeln und Bienen dar. Wir konnten zeigen, dass Hummeln weniger wählerisch in Bezug auf ihre Pollenquelle sind, als Bienen. Wie das? Ihr Verhalten als Bestäuber lässt sich unter anderem dadurch charakterisieren, wann sie welche Blühpflanzen besuchen. Aber wie können wir ihren Ernährungsplan (engl. dietary diary) analysieren? Aus dem von den Hummeln gesammelten Pflanzenpollen, quasi den Spermien der Pflanzen, können wir die Erbsubstanz DNA extrahieren und genetisch analysieren. Dies ähnelt der Analyse des genetischen Fingerabdrucks beim Menschen, nur das wir Millionen Individuen, also Pollenkörner, gleichzeitig testen. Stand der Technik für derartige Analysen sind sogenannte Next-Generation Sequenzierverfahren, die zunehmend durch Methoden der dritten Generation komplementiert oder sogar ersetzt werden. Eine solche Methode, die Nanoporen-Sequenzierung, konnten wir in der Arbeitsgruppe von Professor Wünschiers erfolgreich etablieren. Aber lässt sie sich auf die Analyse von Pollen-DNA anwenden? Und wie vergleicht sich die neue Methode mit etablierten Verfahren? Die methodische Validierung für die Anwendung im Kontext der Bestimmung besuchter Pflanzen aus Hummelpollen konnten wir in Kooperation mit Frau Professorin Westphal, Heisenberg-Professorin für funktionelle Agrobiodiversität an der Georg-August-Universität Göttingen, demonstrieren. Die Arbeit des Mittweidaer Teams, dem Doktoranden Robert Leidenfrost, der Master-Studentin Lisa Prudnikow und Professor Röbbe Wünschiers ist im Journal Frontiers in Plant Science nachzulesen.

Leidenfrost RM, Bänsch S, Prudnikow L, Brenig B, Westphal C and Wünschiers R (2020) Analyzing the Dietary Diary of Bumble Bee. Front. Plant Sci. 11:287. doi: 10.3389/fpls.2020.00287

Das Forschungsprojekt wird vom Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus und dem Europäischen Sozialfond unterstützt.